Warum Start-ups mehr denn je in TV-Werbung investieren

06.12.2017

„Start-Ups investieren teilweise bis zu fünfmal so viel in die Produktion von Werbespots als noch vor wenigen Jahren“
Es ist eine gewagt These, die Nils Seger aufstellt: „Start-Ups investieren teilweise bis zu fünfmal so viel in die Produktion von Werbespots als noch vor wenigen Jahren“, sagt der Chef der Berliner Agentur RCKT.
War es bis vor kurzem noch so, dass Unternehmen aus der digitalen Welt den Werbeblock mit billig produzierten Erklärbär-Filmen geradezu vollgemüllt haben, setzen sie jetzt zunehmend auf Qualität.
Wer raus aus seiner Nische will, kommt um das Medium TV nicht herum, weil damit immer noch am schnellsten Reichweite und Resultate erzielt werden können. Und da die Konkurrenz vor allem in den Bereichen Ernährung und Fitness groß ist, gilt es mehr denn je, ein konsistentes, kanalübergreifendes Markenbild zu etablieren.
Media-for-Equity-Deals oder Investorengelder helfen dabei, den Einstieg in die TV-Werbung zu schaffen. Wer glaubt, die junge, wilde Gründerszene stürze sich dank dieser Unterstützung kopflos in das Abenteuer TV, der irrt sich. Vor dem ersten On-Air-Termin stehen fast immer umfangreiche Marktforschungstests an. „Wir haben kaum Kunden, die ohne Pre-Tests ins Fernsehen gehen“, sagt Ewald Pusch, Geschäftsführer von Neverest. Auch er beobachtet den Trend zu aufwendigeren TV-Produktionen. „Zwischen 80.000 und 100.000 Euro muss man schon mindestens investieren, um im Werbeblock neben den großen Marken nicht völlig unterzugehen“, ist er überzeugt. Zu den aktuellen Kunden von Neverest zählt Outfittery, der Online-Pionier für kuratiertes Einkaufen.
Die ebenfalls auf Start-ups spezialisierte Berliner Agentur Try No Agencywarnt davor, diesen Trend als allgemeingültig zu betrachten. Zwar realisiert das Team um die beiden Gründer Stefan Nagel und Friedrich Tromm inzwischen auch High-Value-Produktionen, zuletzt etwa für den Kunden Movinga, dennoch sei das (noch) nicht die Regel: „Junge Unternehmen aus der Gründerszene kommen von etablierten Agenturen zu uns, weil der für eine hohe sechsstellige Summe realisierte Film schlichtweg nicht verkauft hat“, sagt Tromm. Er wirft den etablierten Playern vor, dass sie bei Werbung für Start-ups gerne mal vergessen, dass es sich zuweilen um erklärungsbedürftige Produkte und Dienstleistungen handelt, denen L’art pour l’art nicht weiterhilft.

erschienen in HORIZONT Online , am 21.Februar 2017

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